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Rückblick: Begegnungscafé mit Rainer Pentner

„Ja, ist denn Hopfen und Malz verloren?“

In Worten 38, achtunddreißig Brauereien aus Hof und dem Hofer Umland, bis hinein in den Landkreis Wunsiedel, 38 Brauereien, die einst Gaststätten in Oberkotzau beliefert haben, hat Rainer Pentner ausfindig gemacht und vorgestellt; in guten zwei Stunden half er dem Erinnerungsvermögen von über dreißig Menschen im Publikum des Oberkotzauer Bürgertreffs gründlich auf die Sprünge.

Die erste große und sogar heute noch bestehende Brauerei ist die MeinelBräu. Sie existiert seit 1688, seit 1750 besteht das Brauereigelände am alten Steinbruch „Am Sand“ in Hof, ursprünglich als Eis-, Gär- und Lagerkeller gedacht. Im 19. Jahrhundert gehörte die MeinelBräu zu den damals 28 Kommunbrauhäusern der Stadt Hof, es entstand die Bierschenke, die bald nach der damals popuärsten Hofer Wirtin, einer Cousine = Base des Brauherrn, „Bas“ genannt wurde – die heute noch bestehende Gastwirtschaft „Meinels Bas“. In Oberkotzau belieferte die MeinelBräu das Cafè Heym, Köppels Bierwirtschaft, die Bergschänke, den Naturheilverein und die Turnhalle. An zweiter Stelle stand die Brauerei Scherdel, gegründet 1831 von Matthias Scherdel, einem Bäcker aus Schwarzenbach/Saale, der nach Hof übersiedelte. Er baute sein Sudhaus ganz in der Nähe der Saale, so wie viele andere Brauhäuser auch. Der Zugang zum Wasser war wichtig. Er belieferte in Oberkotzau die Gaststätten Heinritz, Fischer und Kropf, die Friedrichsruh und das Schützenhaus, die Bahnhofsgaststätte, die Wustuben, das Scharfe Eck, in dem es verschiedene Biere gab. Scherdel ging 2003 insolvent, die Kulmbacher Gruppe übernahm die Brauerei; 2026 hatte sich der Bierabsatz halbiert und wegen veralteter Anlagen wird der Betrieb stillgelegt, das Bier wird jetzt in Neuensalz gebraut.

Wer erinnert sich noch an die Schmidt’s Heiner Bräu? Der frühere Schmidtskeller war bis zur Übernahme durch die Brauerei Scherdel ein Lagerkeller für das Bier der Schmidts Heiner Bräu. Erst später wurde es später eine Gaststätte. Unterhalb der Hofer Lorenzkirche gelegen, neben der Gaststätte Goldener Schwan in der Pfarr gelegen. Diese Brauerei beliefert in Oberkotzau die Wustuben und den Schmidtskeller, bis die Scherdelbräu diese Brauerei übernahm.

Und so ging es weiter mit der Löwenbräu, entstanden aus der Unionbräu Militzer, und nach einem Rechtsstreit mit der Münchner Löwenbräu umbenannt in „Löwenhof“. Dieses Bier trank man in Oberkotzau im Gasthaus Schörner, im Ritter St. Georg, und beim Schnabel in Autengrün. Die Kronenbräu, im Jahr 1887 gegründet und knapp 100 Jahre später abgerissen, stand in der Nailaer Straße in Hof. Ab 1904 war das die Deininger-Kronenbräu und befand sich in der Friedrichstraße, gegenüber der Hofer Gaststätte Eisbär. Pentner hatte hier einen kleinen Exkurs in die Welt der Hofer Gastwirtschaften und Besucherangewohnheiten eingebaut; man konnte sich praktisch 24 Stunden am Tag in Hofer Gastwirtschaften aufhalten, ohne nach Hause zu gehen.

Um einige der weiteren Brauereien nur aufzuzählen:
die Schlossbrauerei Falter in Unterkotzau, die bekannte Zeltbräu, die lange das Schlappenbier für den Schlappentag braute und lieferte, die Weizenbierbrauerei Carl Schuster in der Hofer Bahnhofstraße, die Bürgerbräu hoch über den Ufern der Saale, die Brauerei Weidner, die Aktienbrauerei Union von 1888, die in Oberkotzau das Gasthaus „Zur gemütlichen Einkehr“ belieferte, auch genannt „zur dreckigen Henna“. Die Bavaria Brauerei, die Brauerei Schultheiß, die älteste Brauerei des Landkreises Hof ist die noch bestehende Brauerei Stelzer in Fattigau, die Mönchsbräu in Münchberg, die übernommen wurde von der Aktienbräu Helmbrechts, die Kronenbräu Rehau, die Nützelbräu, die Bärenbräu und die Bischoffbräu aus Münchberg, die beiden Brauereien Goller und Schübel in Schwarzenbach/Saale, das Ahornberger Bier, die Bürgerbräu und die Exportbierbrauerei in Rehau, Gambrinus aus Naila und aus dem Landkreis Wunsiedel die Namen Hönicka, Langbräu Schönbrunn, Königsbräu, Bürgerbräu Selb, Zollfrank und Rauh&Ploss – alles unvergessene Namen und eine Biervielfalt ohnegleichen.

Ja, der Bierumsatz war ein ganz anderer als heute, und jede der Bierbrauereien gab vielen Menschen Lohn und Brot – und Bier, muss man hinzufügen, denn es war Sitte, den Arbeitern zu jeder Mahlzeit eine Maß Bier auszugeben. „Es war halt eine andere Zeit“, hörte man als Stoßseufzer aus dem fachkundigen Publikum.

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